Donnerstag, 22. September 2011

Alltags-Geschichten

Lass los!  Sei spontan!

Wie jeden Donnerstag um 9:00 trifft sich die Frauenrunde im örtlichen Kaffeehaus zum Frühstücks-Stammtisch. Manchmal sind mehr dabei, der Höchststand waren zehn Frauen, durchschnittlich sind es fünf. Alle Frauen vom Ort sind eingeladen Teil dieser Runde zu sein.

Rosi, eigentlich Rosalinde, war die erste heute. Rosi ist eine aufgeweckte, fröhliche Person, mit öfters einem Scherz auf den Lippen. Bevor sie noch richtig ihren Platz eingenommen hatte, kommen auch Brigitte und Susanne und setzen sich dazu. Susanne ganz quirlig: „Ahh, ich freue mich schon jede Woche aufs Neue, wenn ich zu unserem Frühstück kommen kann  Haben wir heute ein Thema? Was war den bei euch die letzte Woche los?“  „Typisch Susanne!  Rosi lächelt während sie das sagt. Susanne ist bekannt für ihr Tempo und ihre etwas chaotische Art.   „ich hab letzten Freitag, einen sehr interessanten Vortrag über „Loslassen“ gehört. Davon könnt ich euch erzählen!?“ Susanne weiter.

Rosi: „Ja, schau ma mal! Warten wir bis alle da sind, dann entscheiden wir, oder?“  „Ja, ja,  klar, ich wollte nur schon ankündigen, dass ich heute etwas sehr Interessantes habe. Die Bilder und Eindrücke sind noch sehr präsent vor mir. Einiges hab ich auch schon  ausprobiert und es war sehr hilfreich.“  
Brigitte interessiert nickend: „ Ja, das kenn ich, ich hab mich auch schon mit dem Thema: „Loslassen“ beschäftigt. Oft höre ich von meinen Freunden: „Du musst loslassen.“  Nur wie das geht, wie ich das mache hat mir noch niemand erzählt. Für mich klingt das so, wie „Sei spontan! Sei neugierig!“ Oder noch besser: „Sei kreativ!“  Ich kann damit nichts anfangen, ich brauch immer noch ein paar Ideen dazu oder  Anleitungen sind überhaupt super für mich. Also bin ich schon gespannt, war du erzählst. So können wir unsere Erfahrungen austauschen.“

Während der Kellner, den bestellten Tee und Kaffee bringt, unterhalten sich die drei Damen schon angestrengt.  Rosi ist quasi eine „Fixstarterin“ beim Frühstücksstammtisch, sie übernimmt auch gerne mal das Kommando:  „Also, was sagst ihr? Es schaut so aus als ob wir komplett wären, hören wir uns an was Susanne in ihrem Vortrag erlebt und gehört hat, oder?“ Die quirlige Susanne ist gleich Feuer und Flamme, ihre Augen glänzen vor Freude und Begeisterung und sie legt schon los: „Ja, wie bin ich zu diesem Vortrag gekommen?“  - kurze Nachdenkpause - „ich weiß schon, es war ein Zufall. Im Büro hat mich meine Arbeitskollegin angesprochen, ob ich  mitgehen möchte, weil sie nicht gern allein ist. Gesagt getan, für Neues bin ich immer zu haben,  ganz spontan habe ich mich entschieden – obwohl das sonst nicht so meine Art ist“  ein breites, selbstironisches Lächeln überzieht ihr ganzes Gesicht
„Der Vortrag stand unter dem Motto:  „Die Kunst des Loslassens ist das Erkennen etwas Gehen zu lassen, deren Zeit noch nicht gekommen ist oder deren Zeit schon vorbei ist und sich voller Vertrauen dem „JETZT“ widmen.“  Wie Marc Aurel es schon wusste:  „Man muss mit seinen Gedanken nur bei dem sein, was gerade jetzt zu tun ist“  so der Vortragende. Er  erzählte uns, von den sechs Schritten des Loslassens und zwar
1.     Akzeptieren,  das was ist
2.    Urteilen weglassen
3.    Weg zum Ziel, dem Leben Regie führen lassen
4.    Kampf, weglassen, d.h. das Ziel oder einen Zustand mit Kampf erreichen wollen
5.    Konzentration auf das Ziel weglassen
6.    Vertrauen leben
Der Schritt eins erschien mir am Leichtesten.   „Akzeptieren, das was ist“  Da sag ich einfach: „Ok, das ist so! Ok, ich bin zu dünn; Ok, ich bin JETZT zu dünn oder  OK, der Job gefällt mir JETZT nicht oder OK, ich habe JETZT keine Lösung oder Idee. Für mich fühlt sich das einfach gut an. Es nimmt mir schon mal einen großen Druck weg und ich kann entspannter nach Ideen, Lösungen suchen. Denn erledigt ist das Thema natürlich nicht, es ist ein erster Schritt.  Wir haben auch ein Spiel dazu gemacht. Interessiert es euch?“  Brigitte und  Rosi nicken zustimmend, beide sind mit voller Aufmerksamkeit bei Susannes Erzählungen. Rosi denkt: „Ja, begeistern und vortragen kann sie wirklich gut.“  Und lächelt dabei.

„Das Spiel geht so“ fährt Susanne in ihrer temperamentvollen und  begeisternden Art fort: „Zuerst sollten wir uns etwas überlegen, dass wir loslassen möchten. Dieses Thema/Situation haben wir auf einen Zettel geschrieben und ihn vor uns, in angemessener Entfernung  hingelegt, einige Male durchgelesen und anschließend den Satz gesagt: „OK, es ist so, dass ich JETZT  ….  Mein Thema …  .   Die Betonung liegt auf dem Jetzt. Diesen Satz wirken lassen.  Der nächste Punkt war: Mich zu fragen: Nachdem ich losgelassen habe:  Was würde von dort beginnen?

Für den Anfang hat er uns empfohlen, den Satz mehrmals laut oder leise vorzusagen und gleichzeitig auf das Körpergefühl achten.  
Wenn wir diesen Schritt gut gegangen sind, sind die nächsten Schritte frei von Druck, unser Blick ist weiter, wir sind entspannter und was ganz wichtig ist – sagt er – es ist Bewegung. Denn durch das akzeptieren ist Bewegung in die Sache gekommen und ich halte nicht mehr fest. Festhalten ist Stillstand. Stillstand ist das Gegenteil von Bewegung und ohne Bewegung gibt es kein Gehen, kein weiterkommen.“  Susanne macht mal eine Pause und schaut ihre Freundinnen neugierig an: „Ist das verständlich? Könnt ihr das nachvollziehen?“  Brigitte antwortet spontan: „Ja, natürlich, gefällt mir sehr und klingt gut und leicht nachvollziehbar. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren. Du weißt ja, dass ich mich mit dem Thema schon einige Male auseinandergesetzt habe. Bei deinen Ausführungen war wieder etwas Neues dabei, was für mich wichtig ist.“  „Und für dich Rosi?“ fragt Susanne neugierig. „Ja, weißt du – ich bin da ein bisschen skeptisch. Ich brauch wohl noch ein paar mehr Infos, das ist mir noch zu ungenau. Gleichzeitig überlege ich mir, ob „Loslassen“ überhaupt ein Thema für mich ist. Weiß ich noch nicht. Aber zu etwas ganz anderem. Wie schaut es mit der Zeit bei euch aus? Ich für meinen Teil müsste dann mal weg und schlage vor, dass wir die anderen Punkte vertagen. Denn auch die Schritte zwei bis sechs würden mich auch interessieren. Auch wenn ich noch nicht weiß, ob „Loslassen“ Thema für mich ist.“ Rosi lächelt.

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