Montag, 5. September 2011

Alltags-Geschichten

Die liebe Gewohnheit

„Mama!? Du bist schon wieder da? Was machst du schon wieder zu Hause?“ ruft Petra überrascht und irritiert gleichzeitig. Ihre Mutter hat doch gesagt, sie fährt für zwei bis drei Stunden ins Büro.  „Heute ist nicht mein Tag.“ Antwortet sie nur etwas genervt „Es hat schon in der früh begonnen, nach dem Frühstück, bei der Frage: Was brauch ich alles mit? Denn ich wusste ja, dass wir mit dem Büro umgesiedelt sind. Ich habe wirklich „scharf“ nachgedacht, ob ich auch alles habe. Zuerst war es der USB, da bin ich noch zu Hause drauf gekommen, dass er fehlt. Im Auto sitzend fällt mir ein, die Projektmappe fehlt. Ich war noch sehr ruhig, sage zu mir: „Gut das ich noch rechtzeitig drauf gekommen bin, ich hol sie noch schnell.“ „Du kannst dich erinnern?“  „Ja, Ja, ich hab dich kommen und wieder gehen hören und dachte mir schon, dass du etwas vergessen hast.“ Ihre Tochter nickend und zustimmend. „Zehn Minuten später sitze ich im Auto und fahre guter Dinge in Richtung Büro, überlege mir schon was ich alles machen werde. Also eh wie immer.  Und dann, ah super:  Parkplatz vor der Tür, ich freue mich sehr. Es schießt ein Gedanke in meinen Kopf – der Schlüssel – ich hab den Büroschlüssel vergessen. Ich war so sauer auf mich - Da renn ich schon dreimal zurück, weil ich immer irgendetwas vergesse und dann hab ich noch immer nicht alles dabei. Gut! - das ist nicht mein Tag heute, jetzt fahre ich nach Hause und „Büro“ ist gestrichen. Ja, das ist der Grund warum ich schon wieder da bin, und ich hab keine Lust mehr noch einen dritten Anlauf zu nehmen. Dann muss die Arbeit eben bis morgen warten.“ Sie lässt sich mit einem tiefen Ausatmen ins Sofa fallen.
Petra steht da. Abwartend, ob noch was kommt. Sie kennt das ja schon von ihrer Mutter. In ihrem achtzehnjährigen Leben hat sie schon einige Verhaltensmuster ihrer Mutter studiert und auch besprochen. Dieses gehört in die Kategorie „Gewohnheit“. Sie hat die Worte ihrer Mutter schon im Ohr: „Ich fahre jetzt seit fünf Jahren immer denselben Weg ins Büro, brauche mich nie vorbereiten, weil ich so organisiert bin, dass alles vor Ort ist. Jetzt  plötzlich muss ich an USB, Projektmappe und Schlüssel denken muss. Wenn ich nur diese eine Aufgabe hätte, wäre es sicher kein Problem, nur ich habe ja auch noch andere Dinge im Kopf, die auch meine Aufmerksamkeit benötigen. Jetzt werde ich es mir wohl merken, und meine Gewohnheiten neu justieren.“  „Gut Mama, dann lass ich dich mal, wir sehen uns später.“ Petra lässt ihre Mutter „ausdampfen“ und macht sich wieder an ihre Studien. „Hoffentlich kopieren meine Spiegelneuronen, dieses Verhalten nicht“

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