Samstag, 3. September 2011

Alltags-Geschichten


Warten – erwarten – Erwartungshaltung

„Zufällig – was ist schon zufällig? – habe ich in einem Kaffehaus einem philosophischen Gespräch zuhören müssen!  Wollen? Sollen.   Je nachdem wie ich es sehen will. Rückblickend betrachtet war es sehr interessant und wichtig für mich, weil  diese Gedanken und Ideen gut in meine aktuellen Überlegungen passen.“  
So beginnt das eMail einer Freundin an ihre Freundin. Die beiden sind schon seit der Volksschule die besten Freundinnen, auch wenn sie sich nur sporadisch sehen, so sind sie doch immer in Kontakt, manchmal telefonisch oder so wie jetzt eben schriftlich.

Die beiden haben viele gemeinsame Erfahrungen, in den verschiedensten Lebensbereichen gemacht. Sei es in Beziehungsfragen oder beruflichen Hindernissen oder Freuden. Eben eine ganz besondere Verbindung. Aristoteles hat es sehr treffend formuliert: „Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern.“  Genauso beschreiben auch die beiden ihre Beziehung. Es ist wie so ein unsichtbarer Faden, der sie zusammenhält. Ein Faden der manchmal dünn erscheint ein anderes Mal wieder wie unzertrennlicher Stahl ist.

„Jedenfalls!“ schreibt sie weiter „ich sitze den zwei Menschen schräg gegenüber, während ich meinem weichen Ei den Kopf abschlage, um es anschließend  genüsslich zu verspeisen. Sie reden über das Warten, das Erwarten und die entsprechende Erwartungshaltung dazu. „Weißt du“ erzählt die Eine: „Gestern, bei einem geschäftlichen Gespräch, wurden meine Erwartungen wieder einmal völlig enttäuscht. Anschließend habe ich mich fürchterlich über mich geärgert, weil ich es ja eigentlich schon wissen müsste. Immer wieder passiert es mir, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Dabei habe ich mir schon ausführlich und sehr gründlich Gedanken darüber gemacht wie und wann es Sinn macht Erwartungen zu haben.“  „Und welche sind das?“ fragt die Andere interessiert. „Ich hab für mich klar gemacht, wenn ich etwas erwarte, hat das was mit warten zu tun – klar – die Frage ist worauf warte ich? Warte ich, dass mir das Gegenüber ein bestimmtes Verhalten entgegen bringt oder warte ich, dass mir das Gegenüber Anerkennung, Respekt, Lob, Liebe …. entgegen bringt. Noch weiter gedacht könnte ich sagen oder provokant formuliert: „Ich fordere vom Gegenüber etwas ein, was er vielleicht gar nicht geben kann, aus welchen Gründen auch immer. Ja, und gestern bin ich selber wieder meiner eigenen Erwartungshaltung erlegen und mein Gegenüber hat prompt mit einer massiven Werteverletzung reagiert.  Blöd oder?“ 

Meine liebe Freundin, ich war plötzlich so in meinen eigenen Gedanken verhaftet, dass ich die Antwort des Mannes gar nicht mehr gehört habe. Ich, für meinen Teil, finde es spannend was die beiden aus einem Wort gemacht haben. Und ich kann es sehr gut nachvollziehen. Vom Anderen etwas erwarten wollen, kann sozusagen ein Eigentor werden. Wie ist es dann mit der Erwartungshaltung an sich selber? Diese Frage würde ich gern mit dir „ausphilosophieren“ wenn du Lust hast.  Ich werd inzwischen schon etwas vorausdenken J  Liebe Grüße und bis bald E.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen