Mama, warum bin ich eigentlich da?
Anika ist heute 14 Jahre alt geworden. Schon seit einigen Tagen, wenn nicht schon Wochen, sucht sie nach Antworten auf viele Warum´s. „Warum muss ich lernen?“ Zugegeben, im ersten Moment eine Frage, die sehr schnell eine Antwort findet. Nur für Anika nicht. Sie vergleicht verschiedene Kulturen: die einen sind voll auf Bildung aus, die anderen haben gar keine Bildung (was wir halt so von Bildung verstehen). „Ja, Bildung schafft Möglichkeiten. Wenn, du mal richtig gut Geld verdienen möchtest, dann brauchst du Bildung. Bildung ist Macht.“ All diese Sätze hört sie immer wieder von den Erwachsenen, aber …. „Ist es das, worauf es im Leben ankommt? Richtig viel Geld verdienen! Viele Möglichkeiten zu haben! Macht zu haben!“ In ihrem Kopf geht es ziemlich rund. Noch hat sie keine stimmigen Antworten erhalten.
Sie geht zu ihrer Mutter in die Küche, diese ist mitten im herstellen eines selbstgemachten Tomatenketchups. Da stehen riesige Töpfe mit noch ungekochten Tomaten, welche mit Tomaten, die zum Abschälen bereit sind, und Schüsseln mit schon pürierten Tomaten. Als Anika in die Küche kommt sieht sie nur rot. Im wahrsten Sinn des Wortes.
„Hallo Mama, darf ich dich mal was fragen?“ „Ja, natürlich! Was hast du denn auf dem Herzen?“ Ihre Mutter erkennt schon an der Tonalität ihrer Tochter, dass jetzt, für Anika, eine sehr wichtige Frage kommt, die auch keinen Aufschub duldet. „Magst dich zu mir setzten und mir helfen?“ Anika verzieht das Gesicht, der linke Mundwinkel verschiebt sich soweit nach unten und der rechte soweit nach oben, man könnte fast meinen der Mund steht nicht mehr waagrecht sondern senkrecht. „Alles klar!“ antwortet die Mutter sofort. „Was ist es denn?“
Anika braucht noch einige Minuten, zum Nachdenken: „Mama, warum bin ich eigentlich da?“
Die Mutter arbeitet ruhig weiter und lässt die Frage auf sich wirken. „Warum bin ich eigentlich da? Lass mich mal kurz nachdenken. Ich weiß noch, ich habe mir die Frage auch vor langer Zeit gestellt, weil ich in dieser Zeit keine Motivation finden konnte, warum ich überhaupt irgendwas tun sollte. Soll ich eine Familie gründen und Kinder haben, soll ich einen guten Job haben und Karriere machen, soll die Welt bereisen und andere Kulturen kennenlernen? Auf all diese Fragen bekam ich ein halbherziges Ja als Antwort, von mir. Es befriedigte mich nicht. Irgendwann hab ich mich dann auch gefragt: „Was will ich denn, was macht mir denn Freude, womit bin ich den glücklich. Die Frage womit und wie bin ich den glücklich brachten mich dann weiter. Mit „den“ Antworten spürte ich sofort im ganzen Körper, mein spezielles Gefühl für Glück und Zufriedenheit. Daran hab ich mich dann gehalten und meinen Weg des Glücks gegangen, der mir bis heute noch meine „Warum´s“ beantwortet.
Irgendwann später habe ich den Ausspruch von Friedrich Nietsche gelesen: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes wie.“ Daran halte ich mich. Hilft dir das Anika?“
Anika hat sehr aufmerksam zugehört: „Phaa, ein bisschen viel, ich weiß nicht, ob ich das alles verstanden habe. Ich denk mal drüber nach.“ Ohne ein weiteres Wort steht sie auf und geht raus in den Garten, setzt sich auf die Schaukel, so wie sie es immer macht, wenn sie am Denken ist.
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