Samstag, 6. August 2011

Geschichten: Zufriedenheit (Teil III)

Herr Mensch schaut dem Direktor in die Augen. Ein Blick, der Überraschung, Freude und Glück gleichzeitig aussagt. Im nächsten Moment, als der Verstand auch so wirklich versteht was dieses Angebot heißt, zaubert es ihm ein Lächeln ins Gesicht. Ohne nachzudenken, seinem inneren Impuls folgend „Oh, Vielen Dank, das Angebot nehme ich sehr, sehr gerne an. Wissen sie Herr Direktor, seit einigen Tagen tummeln sich bei mir Gedanken im Kopf, die nach Veränderung streben. Veränderung im Sinne von Neues ins Leben lassen und auch Altes gehen zu lassen. Ich nehme das Angebot als „Wink des Schicksals“ und erkenne, dass das der richtige Weg ist und freue mich sehr drauf. Wann soll es denn losgehen?“ „Schon in absehbarer Zeit. Mir ist es noch wichtig, zwei, drei Mitarbeiter ebenfalls dazu einzuladen und wenn die Gruppe voll ist, kann es losgehen. Es freut mich, ihre Begeisterung zu sehen und zu spüren, das sagt mir, dass meine Entscheidung gut gewählt war.“

„Wow, was für ein Tag! Und das nur von so einer kleinen gedanklichen Veränderung? Ich kann es gar nicht glauben“ Herr Mensch ist sehr zufrieden und fühlt sich mächtig wohl in seiner Haut. Für ihn hat die „Sache“ Bewegung bekommen. Wissend, dass es erst der Beginn ist und trotzdem fühlt er sich schon jetzt um einiges leichter.

Wie versprochen, begann das erste Seminar schon nach kurzer Zeit. Fünfzehn Teilnehmer, zählt Herr Mensch. Wenn er so in die Gesichter der Anderen schaut ist er verwundert, da ist Frau König, aus der Buchhaltung, sie sieht richtig genervt aus. Sein Sitznachbar, Herr Gmein, sagt zu ihm „Sind sie vom Direktor auch zu diesem Seminar verdonnert worden?“ „Verdonnert? Ich? Nein. Ich bin sehr gerne hier und freue mich, weil ich denke hier gute neue Impulse zu bekommen.“ Herr Gmein schüttelt den Kopf und wendet sich ab. Für Herrn Mensch war es unvorstellbar keine Freude an diesem Seminar zu haben, jetzt erst nimmt er wahr, dass es offensichtlich Teilnehmer gibt, die gar keine Lust haben. „Warum sitzen sie dann da?“ fragt sich Herr Mensch.

Das Seminar beginnt, die Teilnehmer hören viel von Kommunikation, z.B.  dass wir gar nicht, nicht kommunizieren können, sondern wir Menschen uns immer mitteilen, nonverbal oder verbal. Das wir Menschen sehr stark unsere Sinne einsetzten, visuell, auditiv, kinästhetisch, und das wiederum individuell verschieden ausgeprägt ist. In vielen praxisbezogenen Übungen bekommen die Teilnehmer Impulse, wie Kommunikation auch funktionieren kann.
Eine Übung hat bei Herrn Mensch besonderen Eindruck hinterlassen. „Die Landkarte ist nicht das Gebiet.“  „Ja, und was heißt das jetzt?“ fragt sich Herr Mensch irritiert.

 In Zweier-Gruppen sollen  die Teilnehmer gegenseitig Begriffe definieren, Urlaub, Gelassenheit, Beruf. Sein Gegenüber ist Frau König, die Frau König, die er schon als genervt wahrgenommen hat.
„Na, ich bin neugierig, ob das was wird? Schade, ich wollte alles in vollen Zügen auskosten“ Herr Mensch flüchtet sich wieder in seinen inneren Dialog. „Also los geht´s, dass wir es hinter uns bringen, ich fange an“ hört er Frau König in einem sehr resoluten Ton sagen.
Während er ihr aufmerksam zuhört und all ihre Beschreibungen zu Urlaub, Gelassenheit und Beruf mit verfolgt, vergleicht er still seine Definitionen, und die Überraschung ist perfekt. Während bei Frau König der Beruf lediglich zum Geld verdienen da ist, damit sie die Miete bezahlen und Essen kaufen kann, ist es für ihn ein ganz wichtiger Teil in seinem Leben. Im Beruf möchte er sich verwirklichen, möchte er Spaß haben. Auf diese Unterschiede war er nicht gefasst, er hat immer angenommen, dass seine Definition für alle gleich ist und die paar Ausnahmen, die er wahrgenommen hat, hat er nicht so ernst genommen.

Nach dem Ende des Seminartages wollte Herr Mensch diese neue Erfahrung gleich im Alltagsleben testen. Zuhause angekommen (früher als sonst, ohne Abstecher ins Stammlokal) befragt er seine Frau, wie sie denn ihre „Welt“ so beschreibt. Auch wieder ein sehr überraschendes Ergebnis. In vielen Dingen sieht seine Frau die Welt ganz anders. „Warum hab ich das noch nie bemerkt? Was bedeutet das für mich jetzt?“ Viele neue Fragen tauchen auf, die nach einer Antwort drängen.



Fortsetzung folgt …..

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