Geben und Nehmen Teil II
Vielleicht ist es auch bei euch so, vielleicht sieht dein Mann keine Möglichkeit sich in die Familie einzubringen und will/muss deshalb gehen?“
Karin hört wortlos zu. „Ja, vielleicht ist es wirklich so. Ich denk drüber nach. Vielleicht mache ich wirklich zu viel. Vielleicht möchte Erich, sich mehr einbringen und kann es nicht, weil ich ja alles erledige und organisiere. Vielleicht… Vielleicht ….“ Bei Karin überschlagen sich die neuen Gedanken.
Ja, ich werde mit Erich reden. Danke!“
Beide sitzen noch einige Zeit still. Die Stimmung war etwas ruhiger, entspannter geworden. Dennoch ist eine spürbar, dass die Gedenken der Beiden im Dauerlauf unterwegs sind.
Am Abend, als Karin wie gewohnt für Essen und anschließend für eine saubere Küche sorgt, sieht sie ihren Mann am Sofa sitzen. Gemütlich mit einem Glas Wein sitzt er vor dem Fernseher und schaut sich die Nachrichten und später wahrscheinlich einen Film an. Wie immer, alles ist wie immer. Fast regungslos sitzt er da, als ob das Gespräch heute Morgen gar nicht stattgefunden hätte. „Wieder bin ich es, die initiativ werden muss!“ Karin ist leicht zornig. „Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich in der Rolle der Organisierenden bin. Weil sonst die Dinge nicht passieren.“ Karin denkt an das Frühstück mit Susi. Es hat ihr sehr gut getan mit jemanden zu reden, den Schock, den Stress von der Seele reden. Der Gedanke von Susi, dass die Geben-Nehmen-Waage aus dem Gleichgewicht geraten ist, lässt sie nicht mehr locker. Instinktiv spürt sie, dass da wahrscheinlich was dran ist.
„Nur, wie kann ich das wieder ins richtige Lot bringen? Wo fange ich da an? Bin ich es, die das Gespräch suchen soll?“ Karin, ihre Gedanken spielen wieder Autobahn, schnell und alle in eine Richtung. „Ach was, ich brauch das Gespräch!“ im selben Moment, als der Entschluss gefasst ist, geht sie auch schon los – in Richtung Wohnzimmer – in Richtung: Mann.
„Ich sehe dich grad gemütlich, bei einem Glas Wein sitzen und fernsehen, Robert. Mir wäre es wichtig über das heutige Gespräch zu reden. Passt es dir jetzt?“ Karin ist ganz ruhig und gefasst, während sie die Einladung zum Gespräch ausspricht. Robert sichtlich nervös: „Was sollen wir denn da noch reden? Ich hab gesagt, dass ich so nicht weitermachen will! Fertig!“ Sehr patzig, nervös und gereizt kam die Antwort ihres Mannes. Karin spürt, wie der Ärger hoch steigt, die klaren Gedanken verschwinden und hört sich in der gleichen Tonalität antworten: „Ja, was heißt das jetzt für mich? Was meinst du mit „So“, ich kann damit nichts anfangen. ……….“ Karin steigert sich in einen Wortschwall der voller Schuldzuweisungen ist und der sie auch immer lauter bis schrill werden lässt.
Robert hingegen, sitzt da als ob ihn das alles gar nichts angeht. Teilnahmslos lässt er die Vorwürfe, Schuldzuweisungen seiner Frau über sich ergehen. Als bei Karin der Ärger raus ist, nimmt sie, die Teilnahmslosigkeit von Robert wahr, erkennt die Aussichtslosigkeit und verlässt wütend das Zimmer, nicht ohne die Tür, mit einem lauten Knall, ins Schloss fallen zu lassen.
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