Montag, 22. August 2011

Alltags-Geschichten

Das hat so viel Geld gekostet!
Teil I
Frau Ludwig lebt in einer Kleinstadt in einem kleinen Haus, in das sie vor 30 Jahren eingezogen ist. In dem sie mit ihrem Mann glücklich war und sie gemeinsam ihre Kinder ins Leben begleitet haben. Vor fünf Jahren ist „ihr“  Rudi, ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben.  Der Schock war  extrem für Frau Ludwig, sie war  monatelang wie ferngesteuert, wie ein Roboter ist sie morgens aufgestanden, hat gegessen und die Sachen gemacht, die sie immer macht. Sie  hat quasi nur funktioniert.
Waren ihre Kinder zu Besuch oder Freunde, hat sie diese kaum wahr genommen. Sie hat die Umwelt nur durch einen Schleier gesehen. Allein!  Alles was sie denken konnte war: „Ich bin allein.“

Nach einigen Wochen oder Monaten, genau kann sie das gar nicht mehr sagen, während sie in ihrem geliebten Garten arbeitete, bemerkt sie, dass sich ihr „Schleier“ plötzlich löst. Sie sieht ganz scharf und klar das Blumenbeet vor ihr. Die vielen gelben, blauen, weißen, rosafarbenen Blüten vor ihr. Es war so bunt und fröhlich, dass ihr förmlich das Herz aufging und ihr die Tränen in die Augen schossen, vor Freude bei diesem Anblick und gleichzeitig unendlicher Traurigkeit. Tränen, die längst überfällig waren, Tränen die geweint werden wollen. Sie kniet nieder und ihr ganzer Körper schüttelte sich vor Trauer, vor Leid. Immer wieder wird ihr Körper von einem Tränenerguss geschüttelt. Sie lässt es einfach passieren, lässt jeder einzelnen Träne ihren Lauf. Nach geraumer Zeit wird es besser, sie bleibt trotzdem noch im Gras liegen, beide Hände ausgebreitet, mit dem Blick in den Himmel, tief atmend lässt sie die Kraft der Natur auf sich wirken. Spürt die Wärme der Sonnenstrahlen, die leichte Brise, die über ihr Gesicht weht, hört die Vögel zwitschern, die Grillen und weit weg auch einen Hund bellen. Sie lässt sich Zeit, mit dem Aufstehen. Auch wenn sie es wollen würde, sie könnte gar nicht, aufstehen. Wie festgeklebt liegt sie in der Wiese und lässt es passieren. Sie hat das Gefühl für Zeit und Raum völlig verloren, ist auch in diesem Moment überhaupt nicht wichtig. Einmal mit geschlossenen Augen, einmal mit offenen Augen liegt sie da, nichts denkend nur fühlend. Sie wird so lange bleiben bis ein innerer Impuls sagt: „Jetzt kannst du aufstehen, jetzt passt´s!“

Nach einer langen, langen Zeit spürt sie einen Impuls sich zu bewegen. Erst nur in die Fingern, sie spürt Gras, und Kälte. Sie hebt die Finger, die Hand und die Arme. Es ist ein Gefühl, als wäre ein neues Leben in den Armen. Ganz langsam setzt sie sich auf, schüttelt auch ihre Füße, ihre Schultern.
Erst jetzt ist es ihr möglich, ihren Blick auf die Umgebung zu lenken. „Ah, das Blumenbeet, genauso bunt und fröhlich, da ist auch noch der neue Komposthaufen, den ich vor einer Woche angelegt habe. Die Wäsche flattert auch im Wind.“ Im Gras sitzend schaut sich Frau Ludwig in alle Richtungen um, erst dann ist es ihr möglich aufzustehen. Noch geht sie langsam. Sie hat das Gefühl in einer neuen Welt zu sein, alles um sie herum ist in einer ganz eigenen Klarheit zu sehen, wie nach einem ausgiebigen, kalten Regen, wo sich die Natur,  uns frisch gewaschen präsentiert. Der Druck in ihrer Brust ist leichter, jetzt spürt sie lediglich den Druck in ihren Augen, die durch die vielen Tränen geschwollen sind.

Fortsetzung folgt .....

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen