Das neue Leben der Frau Ehrlich beginnt damit, dass sie, ganz gegen ihre Gewohnheiten, zu Mittag in ein Restaurant geht. Sie nimmt sich zwei Stunden Zeit, um ganz „genüsslich“ ihr Mittagessen einzunehmen. Trotzdem ist sie angespannt, denkt immer wieder an die Firma, was noch alles zu tun ist. Auch schleichen sich die Gedanken ein: „Ich muss doch arbeiten! Ich darf hier nicht gemütlich sitzen und faulenzen.“ Sie bleibt sitzen, wie festgeklebt, schwer wie ein riesiger Felsbrocken. „Trotz dem, ich bleibe.“ Immer wieder erinnert sie sich an ihren Traum, der sie heute Morgen zu der Entscheidung gebracht hat, in ihrem Leben etwas zu verändern. Wohl fühlen ist anders. Sie nimmt auch ihre Umgebung nicht wahr. Sieht nicht, welche Menschen um sie herum sitzen, hört nicht die Geräusche aus der Küche.
Plötzlich, sie schrickt hoch, raus aus ihren Gedanken. Es hat jemand an ihrem Tisch Platz genommen. Es dauert einige Sekunden, bis sie wahr nimmt, dass es sich um eine Frau handelt, und dass sie diesen Menschen auch schon mal gesehen hat. Irgendwann, vor langer, langer Zeit.
„Hallo Frau Ehrlich, es freut mich außerordentlich dich hier zu treffen Wie geht´s dir denn?“ Die Frau ist voller Elan, sprüht vor lauter Freude. Mit lachenden Augen schaut sie sie an. „Ja, danke der Nachfrage, es geht mir gut.“ Eine knappe, unehrliche Antwort. Zu mehr war Frau Ehrlich nicht in der Lage. Würde sie in diesem Augenblick die Wahrheit sagen, würde all ihre Last, ihre Sorgen, ihre Traurigkeit aus ihr herausbrechen und sie gleichzeitig zusammenbrechen.
Das Gegenüber, Frau Montag, erkennt sofort, dass Frau Ehrlich, jetzt nicht nach sprechen zumute ist und beginnt von sich zu erzählen. In ihrer fröhlichen lebendigen Art spricht sie zu Frau Ehrlich:
„Weißt du, ich habe vor ca. vier Jahren beschlossen mein Leben zu verändern, ich war in einem Hamsterrad, das nur noch Arbeit und Familie beinhaltete, bis ich fast zusammengebrochen bin. Ich hatte schwere Schlafstörungen, konnte kaum noch klare Gedanken fassen. Gedanken, die nicht von Arbeit oder Familie handelten, waren schlichtweg nicht mehr präsent. Dem Fass die Krone aufgesetzt hat dann ein Verkehrsunfall mit meinem Motorrad, dass mich sechs Monate zur Ruhe zwang.
Heute kann ich sagen, was Besseres konnte mir gar nicht passieren. Ich hatte so viel Zeit über mein Leben nachzudenken. Schon nach kurzer Zeit begann sich mein Blick zu weiten. Es tauchen Gedanken, wie Urlaub, Entspannung, Ruhe in mir auf. Das wichtigste jedoch war, dass ich mich fragte welchen Stellenwert ich in meinem Leben eingenommen habe. So gut wie gar keinen. So begann ich mal drüber nachzudenken, wer ich bin, was ich kann und was ich will. Das war der Start in mein „Neues Leben“. Heute kann ich all das Leben was ich will, was ich kann und was ich bin. Zugegeben, es hat schon eine Zeitlang gedauert und so mancher Teil dieses, meines Weges war recht schmerzhaft und tränenreich. Letztendlich kann ich sagen – es hat sich mehr als gelohnt.“
Frau Montag nimmt eine körperliche Veränderung bei Frau Ehrlich wahr. Ihr Körper hat sich aufgerichtet.
„Was ist bei dir los? Wie geht es dir?“ fragt Frau Montag mit ehrlichem Interesse.
„Ja, weißt du. Wenn ich dir so zuhöre, komme ich zu der Erkenntnis, dass ich jetzt da bin, wo du vor vier Jahren begonnen hast. Ich bin dir sehr dankbar für deine Offenheit. Ich werde mich jetzt auf den Weg machen.“ …..
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